130 Jahre Mercedes Transporter

Das motorisierte Pferdefuhrwerk wird elektrisch

130 Jahre Mercedes Transporter: Das motorisierte Pferdefuhrwerk wird elektrisch
Erstellt am 9. Januar 2026

Wer an Mercedes-Benz und seine wichtigsten Modelle denkt, dem kommen S- / G-Klasse, elegante SL-Roadster oder auch ein Baby-Benz in den Sinn. Doch heimlich, still und betont leise hat sich ein Sternen-Modell in den vergangenen 30 Jahren einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert: der Sprinter. Der holt 130 Jahre nach dem ersten Mercedes-Transporter zum großen Neustart aus.


Die Zeiten, in denen sich auf der linken Autobahnspur allein weiße Fiat Ducatos eilig Vortrieb verschafften, um Termine einzuhalten, sind lange vorbei. Auch wenn über die zumeist einfarbigen Transporter mit Chauffeuren im Dauerstress gemeckert und gemosert wird – aus unserem alltäglichen Leben sind diese nicht wegzudenken. War es lange Jahre bevorzugt der Fiat Ducato oder allenfalls noch ein Ford Transit, die sich im Dauerlauf ihren Legendenstatus erarbeiteten, so sieht das mittlerweile anders als. Aus den allgegenwärtigen Ducatos wurden nicht allein im Sprachgebrauch oftmals Sprinter: eine Transporter-Allzweckwaffe für Tag und Nacht, Kurierdienste und Umzüge, Einsatzwagen und Krankenbeförderer.

30 Jahre Mercedes Sprinter. Damit ist der Mercedes-Transporter eines der jüngeren Modelle im Sternen-Portfolio – mindestens so umfangreich zu individualisieren wie eine exklusive S-Klasse und mit einem Antriebsportfolio ausgestattet, das ebenfalls nur wenig Kundenwünsche offenlässt. Die Geschichte der Mercedes-Transporter begann unter dem Namen Benz und Cie. ab dem Jahr 1896, als Carl Benz mit zwei Modellen den motorisierten Transporter erfand: der Benz Lieferungswagen als „Kutschwagen mit geschlossenem Wagenkasten“ auf Basis des Benz Victoria und den Benz Combinations-Lieferungswagen als „kleinem Kutschierwagen mit abnehmbarem Kastenaufbau“ auf Grundlage des kleineren Benz Velociped. Durch den abnehmbaren Aufbau konnte dieser mit wenigen Handgriffen in einen doppelsitzigen Personenwagen verwandelt werden und war damit besonders vielseitig einsetzbar.

Für den Vortrieb statt üblicher Pferde sorgte bei beiden Modellen ein im Heck liegend angeordneter Einzylinder-Viertaktmotor. Dieser hatte beim Lieferungswagen 2,7 Litern Hubraum, während das Combinations-Modell mit einem Liter Brennraum auskommen musste. 300 Kilogramm Zuladung waren für den innerstädtischen Transport dabei seinerzeit durchaus eindrucksvoll. Die zwischen knapp drei und sechs Pferdestärken starken Verbrenner-Fuhrwerke erreichten maximal 20 km/h – trotz voller Beladung. Da konnten kein noch so starkes Pferdefuhrwerkmithalten. Anfang Dezember des Jahres 1896 wurde der erste Lieferungswagen an das Pariser Kaufhaus „Du Bon Marché“ ausgeliefert - zu einem Verkaufspreis von 4.500 Mark.

Was vor mehr als 120 Jahren der Lieferungswagen von Benz und Cie. ist mittlerweile der Mercedes Sprinter geworden. 1995 aufgelegt, schloss er bei den Schwaben die ertragreiche Lücke zwischen Pkw und Lkw. In drei Jahrzehnten wurden über fünf Millionen Sprinter produziert – in unterschiedlichen Varianten für unterschiedliche Einsatzzwecke. Der Sprinter ist heute Basis für Krankenwagen, Kühlfahrzeuge, Kurierdienste, Baustellenfahrzeuge bis hin zu Reisemobilen. Die Wiederkaufsquote ist größer als bei den meisten anderen Mercedes-Modellen, denn fast 80 Prozent der europäischen Kunden entschieden sich 2024 wieder für einen Sprinter.

In diesem Jahr wird sich der Mercedes Sprinter neu erfinden. Bereits in der Vergangenheit mit Diesel-, Benzin- und Elektroantrieb zu bekommen, wird seine neue Fahrzeugarchitektur Van.ea die Basis für alle neu entwickelten mittelgroßen und großen Vans aus dem Hause Mercedes-Benz sein. Auf der einen Seite gibt es dann die edlen Großraum-Limousinen, die die Bezeichnung Mercedes VLE und VLS tragen werden. Nach dem Startmodell Mercedes VLE folgen der noblere VLS und später sogar eine längst überfällige Maybach-Version, die besonders in Asien und den Emiraten neue, finanzstarke Kunden locken sollen.

 

Nach den privaten Versionen auf der Van.ea-Plattform folgen die gewerblichen Transporter, die ebenso wie die privaten Vans wahlweise elektrisch oder später auch von einem Verbrenner (Van.ca) angetrieben werden. Unabhängig von der Antriebsart bekommen die gewerblichen Kunden darüber hinaus jene Variabilität, die sie für ihre Aufgaben benötigen. So sind die verschiedenen Aufbauten, Radstände und Antriebe maßgeschneidert für unterschiedliche Konfigurationen und sollen so Kurierdienste ebenso zufriedenstellen wie Bauunternehmen, Behörden, Fahrdienste oder Campingfans.

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