Mit Hans Herrmann ist am 9. Januar 2026 einer der letzten großen Zeitzeugen der glanzvollen Silberpfeil-Ära von uns gegangen. Der frühere Mercedes-Benz-Werksfahrer wurde 97 Jahre alt. Sein Name ist untrennbar mit Mut, Präzision und einer bemerkenswerten Portion Glück verbunden – Eigenschaften, die ihm in der Motorsportwelt den Beinamen „Hans im Glück“ einbrachten. Aber er war vor allem ein großartiger Rennfahrer und bescheidener Zeitzeuge.
Geboren 1928 in Stuttgart, führte Herrmanns Weg fast zwangsläufig zum Automobil. Früh zeigte sich sein Talent, zunächst auf Motorrädern, später im Rennwagen. Anfang der 1950er-Jahre öffneten sich für ihn die Tore zur internationalen Spitzenklasse, als Mercedes-Benz ihn in den Kreis der Werksfahrer aufnahm. In den legendären Silberpfeilen der Typen W196 und 300 SLR stand er Seite an Seite mit Größen wie Juan Manuel Fangio und Stirling Moss. Für einen jungen deutschen Fahrer bedeutete das nicht nur sportliche Herausforderung, sondern auch eine enorme Verantwortung: Mercedes-Benz stand schon damals für technische Perfektion und höchsten Anspruch.
Hans Herrmann war kein Lautsprecher, sondern ein Denker im Cockpit, bekannt für saubere Linien, mechanisches Verständnis und kluge Renneinteilung. Seine Grand-Prix-Auftritte Mitte der 1950er-Jahre machten ihn zu einem festen Bestandteil jener Epoche, in der Mercedes-Benz den internationalen Motorsport prägte wie kaum ein anderer Hersteller. Auch nach dem Rückzug der Marke aus dem Rennsport blieb Herrmann dem Wettbewerb treu und sammelte Erfahrungen in Sportwagen- und Langstreckenrennen.
Seine Karriere war jedoch nicht nur von Erfolgen, sondern auch von gefährlichen Momenten geprägt. Mehrfach entkam er schweren Unfällen, oft nur knapp. Spektakulär ein Crash im BRM auf der AVUS, bei dem sich sein Auto mehrfach überschlug und er aus dem Wagen geschleudert wurde. Herrmann überlebte diesen Rennunfall nahezu unverletzt. Diese Serie an glücklichen Fügungen festigte seinen Ruf als Fahrer, dem Fortuna gewogen war. Doch Herrmann selbst wusste, dass es mehr war als Glück: Disziplin, Respekt vor der Technik und ein feines Gespür für Grenzen begleiteten ihn durch Jahrzehnte im Rennsport.
Der größte Triumph kam vergleichsweise spät. 1970 gewann Hans Herrmann gemeinsam mit Richard Attwood die 24 Stunden von Le Mans im Porsche 917. Es war der sportliche Höhepunkt einer außergewöhnlich langen Laufbahn und zugleich ein würdiger Abschluss, denn kurz darauf beendete er seine aktive Karriere. Der Sieg von Le Mans machte ihn endgültig zur Legende des deutschen Motorsports, auch über die Marke Mercedes-Benz hinaus.
Für Mercedes-Fans blieb Herrmann dennoch vor allem eines: ein Silberpfeil-Pilot im besten Sinne. Er verkörperte die Werte, für die Mercedes-Benz im Motorsport stand und steht – technische Exzellenz, Fairness und Verantwortung. Bis ins hohe Alter war er ein geschätzter Gesprächspartner bei historischen Veranstaltungen, immer bescheiden, immer mit wachem Blick für die Gegenwart des Rennsports.
Mit Hans Herrmann verliert die Motorsportwelt einen ihrer leisen Helden. Mercedes-Benz verliert einen Botschafter seiner goldenen Rennsportjahre, und die Fans verlieren einen Mann, der Geschichte nicht nur erlebt, sondern mitgeschrieben hat. Sein Vermächtnis lebt weiter – in den Erinnerungen an die Silberpfeile, in den Geschichten von Mut und Maß und in der Faszination, die der Motorsport bis heute auslöst.
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